Mein

Spezialwecker

Eine Erzählung von Anna Ernst.

Nelli, mein Parson Russel Hündchen sitzt neben mir und beobachtet , was ich mit dem Smartphone anstelle. Ich möchte wissen, ob es „meinen Wecker“ nur einmal auf dieser Welt gibt. Also suche ich nach Informationen über Wecksignale.
Ich bediene das Gerät, indem ich den Bildschirm streiche und es liefert, was ich suche. Eine Fülle von Möglichkeiten Weckersignale aufzurufen sie hörbar zu machen, werden angezeigt- etwa fünfzig Varianten könnte ich zum Tönen bringen. Muss nicht sein, denke ich und drücke auf das erste Weckersymbol: „ Bullshitter Alarm“ nannte sich der „Klangkrach“. Ein heftiger Sirenenalarm warnte, sich zu lange im Bett aufzuhalten.
Nelli hebt ihr Köpfchen, stupst mich kurz mit ihrem Näschen und meint :
„Hallo, lass´ den Quatsch, ich bin doch da.“ Ok Nelli, aber ich bin halt neugierig und lasse weitere Signale ertönen: Ein klangreiches Vogelgezwitscher , wohl ein moderates Wecken für die sensiblen Schläfer. Der feste und lautstarke Schläfer wird eher mit volkstümlicher Marschmusik aus Bayern, oder aber auch mit einem zackigen Militärmarsch aus dem Schlaf gerissen.
Manche lassen sich von einem ganz normalen Wecker in den neuen Tag aufwecken. Der sogenannte analoge Wecker hat einen Zeiger, der über ein Zifferblatt kreist und ein Rädchen, womit man die Zeiger einstellt. Ein ganz simples Design. Seine einfachen Signale sind gleichtönende Klingellaute. So einen Wecker habe ich auch und er ist auf 8:30 eingestellt, ganz einfach, dennoch kommt sein Einsatz stets zu spät.
Ich habe nämlich einen Spezialwecker. Er hat gar nichts von einem Weckgerät :keinen Zeiger, keine Musik auch keine Ziffern. Meine Recherchen haben ergeben, dass es meinen Spezialwecker wohl nur einmal auf der Welt gibt.
Er ist praktisch gestaltet: vier Beine, zwei dunkle, runde Äuglein, ein feuchtes schwarzes Näschen. Als Weckzugabe bietet mir sein Gesichtchen eine tägliche Liebeserklärung zum Dahinschmelzen.
Seit längerem startet Nelli jeden Tag um halb acht ihre Weckaktivität.
Noch im leichten Schlaf spüre ich, wie mein “Wecker“ mit der Pfote am Rand meines Schlafsofas unentwegt kratzt und scharrt. Ruhe gibt sie erst, bis ich reagiere: „Ja, Nelli, es ist ja gut, ich weiß, es ist halb acht.“ Ich schaue zum Wecker auf meinem Nachttisch, dann zu Nelli:“ Du hast recht Nelli, die Zeit stimmt, mit deinem Zeitfeeling überein, wie jeden Morgen: halb acht ists: „Frauchen aufstehen, rausgehen, alle sind schon auf der Gasse“. Der Tag beginnt für mich eben sehr gesund mit Frischlufttanken bei einem Morgenspaziergang.
Ich frage Nelli manchmal, weshalb gerade halb acht und mit solchem Ritual, doch bisher habe ich keine Erklärung finden können.
Gelegentlich meine ich ihre Gedanken lesen zu können, wenn sie meinen leicht ärgerlichen Blick spürt. „Sei froh, dass ich kein Hahn bin, der wäre morgens ganz anders drauf. Kickerikie.“
Das stimmt, liebe Nelli, wie froh bin ich, dich zu haben.